Notfallhinweise

Schau nicht weg.

Erste Hilfe bei psychischen und psychiatrischen Notfällen.



Seelische Wunden sind vielleicht nicht so gut sichtbar wie jene des Körpers, aber oft nicht minder schmerzhaft. Durch rechtzeitiges Handeln können so manche Folgeerkrankung (z.B. posttraumatische BelastungsstörungenDepressionen) oder gefährliche Situationen (z.B. Suizid, Gewalthandlung) vermieden werden.


Eine psychische Krise wird durch äußere belastende Ereignisse und/oder veränderte Lebensumstände ausgelöst, die Betroffene im Moment nicht mit ihren üblichen Problemlösungsstrategien bewältigen kann. In der Folge haben Betroffene Schwierigkeiten, ihr Berufsleben sowie ihr soziales Leben zu bewältigen. Seelische Krisen sind manchmal nicht gleich sichtbar.


Merkmale einer psychischen Krise


Folgende Merkmale weisen auf eine psychische Krise hin:


  • Starke Gefühle von Angst und Trauer, starke Schwankungen der Gefühlslage
  • Ankündigung von selbst- oder fremdgefährdendem Verhalten
  • Rückzug von sozialen Kontakten bzw. Isolation
  • Sichtbare Verzweiflung
  • Trotz großer Not kann nur schwer Kontakt zum Betroffenen hergestellt werden.
    Im Gespräch wirken Betroffene abwesend und legen teils auch ungewöhnliches Verhalten an den Tag.
  • Aggressionen, ungewöhnliche Gereiztheit
  • Verlust der Kontrolle über die eigenen Handlungen



Psychische Krisen von psychiatrischen Krisen unterscheiden


Psychische Krisen sind von psychiatrischen Krisen bzw. Notfällen zu unterscheiden. Einem psychiatrischen Notfall liegt meist eine akute psychische Erkrankung zugrunde (z.B. Drogenmissbrauch, Schizophrenie) bzw. ein akutes körperliches Leiden, das zu psychiatrischen Symptomen führt (z.B. Gehirnblutung). Zu den psychischen Symptomen zählen unter anderem Störungen des Bewusstseins (z.B. keine Reaktion auf Ansprechen bei starrem Blick), Halluzinationen und Wahnvorstellungen oder unkontrolliertes (aggressives) Verhalten. Bei einem psychiatrischen Notfall droht oft Lebensgefahr (z.B. bei akuter suizidaler Einengung oder eskalierender Gewalt) bzw. die akute Verschlechterung eines Krankheitszustandes mit unter Umständen nicht rückgängig zu machenden Folgen.


Daher ist bei einem psychiatrischen Notfall rasche medizinische Hilfe unumgänglich !

Rufen Sie den Notruf 112 bzw. im Falle von akuter Gefahr für die Sicherheit auch die Polizei unter 110 ! 



Was kann ich als Ersthelfer tun?


Haben Sie das Gefühl, ein Mensch bräuchte Hilfe, zögern Sie nicht, ihn anzusprechen. Ein ehrliches Gesprächsangebot ist fast immer hilfreich. Sie können mit der unkomplizierten Frage „Wie geht es Ihnen?“ beginnen. Betroffene sollten Raum bekommen, selbst zu erzählen. Wenn der Betroffene offen und ehrlich über seine Probleme und Gefühle sprechen kann, ist das meist sehr entlastend. Vorgefertigte Lösungen sind meist nicht sehr hilfreich. Auch miteinander Schweigen kann wichtig sein. In jedem Fall ist die Privatsphäre der ohnehin geschwächten Person zu akzeptieren. Manchmal kann es auch sein, dass das Hilfsangebot abgewiesen wird. Das gilt in den wenigsten Fällen Ihnen persönlich. Es kann sein, dass die/der Betroffene erst später in der Lage ist über die Probleme zu reden und dann auf Ihr Angebot zurückkommt.

.

Orientierung am BASIS-Modell


Das BASIS-Modell, welches aus der Notfallpsychologie stammt, bietet eine gute Orientierung für Ersthelfer:


  • B steht für Beziehung aufbauen. Durch eine wertschätzende Haltung und ein echtes Interesse an der Person kann eine vertrauensvolle Atmosphäre entstehen.
  • A steht für Anerkennen. Das bedeutet eine Akzeptanz des Ereignisses, der „Realität ins Auge blicken“ und das Gegebene annehmen – auch wenn es schwer fällt. Es darf schwer sein und muss – ja sollte sogar – nicht schöngeredet werden.
  • S steht für Struktur. Menschen in Krisen brauchen Halt. Sie sehen sich meist nicht in der Lage, nächste Schritte zu planen oder sich durch den Dschungel von Hilfsangeboten zu kämpfen. Als Laienhelfer können Sie erste Schritte einleiten, z.B. den jeweiligen Notfallpsychologischen Dienst kontaktieren. Außerdem können Sie helfen, indem Sie klare Sätze formulieren.
  • I steht für Information. Besprechen Sie mit der Betroffenen/dem Betroffenen die nächsten Schritte, und thematisieren Sie etwaige damit verbundene Ängste und Sorgen. Es ist möglich, dass es in schweren Belastungsreaktionen zu Reaktionen kommt, die Betroffene für ungewöhnlich und besorgniserregend halten (z.B. immer wieder auftauchende Bilder von erschreckenden Ereignissen).
  • S steht für Soziales. Die Umgebung soll einbezogen werden. Wer kann helfen, wer unterstützt? Am besten ist eine Unterstützung durch vertraute Personen, sofern diese in der Lage dazu sind. Menschen in Ausnahmesituationen brauchen Geborgenheit. Zudem sollten sie nicht allein gelassen werden. Welche professionelle Hilfe ist in den nächsten Tagen möglich?


Bewertungen und simple Tipps sollten vermieden werden. Annahmen statt Fakten helfen auch meist nicht weiter.


Steht der Helferin/dem Helfer die betroffene Person sehr nahe, ist es oft nicht einfach, adäquat zu helfen, da man selbst durch die Nähe mit den eigenen Gefühlen und Gedanken sehr beschäftigt ist. Professionelle Helferinnen/Helfer bringen die oft notwendige Distanz und kompetente Weiterbildung mit, um weiterzuhelfen. In der Krisenintervention soll Menschen in Krisen geholfen werden, einen Ausweg zu finden und den Alltag wieder zu bewältigen.


(Quelle: gesundheit.gv.at)

SiteLock


© Copyright 2018– Urheberrechtshinweis:

 Viele Inhalte dieser Website, insbesondere Texte, sind urheberrechtlich geschützt.

Wer gegen das Urheberrecht verstößt, macht sich gem. §§ 106 ff UrhG strafbar, wird zudem kostenpflichtig abgemahnt und muss Schadensersatz leisten (§ 97UrhG).